Literaturangaben

Umfangreiche wissenschaftliche Literatur zeigt, dass die Tätigkeit von Fachkräften im Gesundheitswesen nicht nur überwältigend sein kann, sondern auch sehr stark auf technische Aspekte ausgerichtet ist. Diese Tendenz hat sich in den letzten Jahrzehnten aufgrund zweier Umstände verstärkt:

  • Erstens hat die Integration zahlreicher diagnostischer und digitaler Instrumente die Genauigkeit und Zuverlässigkeit medizinischer Entscheidungen verbessert, aber auch zu einer erheblichen kognitiven Belastung geführt und die Zeit für die Beziehungsarbeit reduziert (Lown & Rodriguez, 2016; Tai-Seale et al., 2019; Shachak & Reis, 2019).
  • Zweitens hat der zunehmende „industrielle” Charakter der modernen Gesundheitsversorgung – gekennzeichnet durch hohe Patientenzahlen und Produktivitätsdruck – die Fähigkeit von Ärztinnen und Ärzten zu empathischem Engagement zunehmend eingeschränkt (Kerasidou, 2019).

In diesem Zusammenhang werden emotionale Fähigkeiten wie Empathie von Fachkräften im Gesundheitswesen oft vernachlässigt, obwohl sie für Patientinnen und Patienten und Familien nach wie vor von entscheidender Bedeutung sind. Infolgedessen empfinden viele Patientinnen und Patienten die Empathie im klinischen Setting als unzureichend oder oberflächlich (Kee et al., 2018; Howick et al., 2018). Diese Wahrnehmung spiegelt wahrscheinlich nicht nur ein geringeres Maß an Empathie als erwartet wider, sondern auch eine schlechte Qualität der Empathie, die oft nur auf Verhaltensebene gezeigt wird, ohne eine echte kognitive oder affektive Grundlage.

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